Sie haben einen digitalen Marktplatz für Dreh- und Frästeile entwickelt. Woher kam die Idee für Ihre Unternehmung?
Ich bin seit 2014 im Einkauf tätig. Zuletzt habe ich in einem Unternehmen den Einkauf und das Lager geleitet. Zu meinen Aufgaben zählte u.a. die Beschaffung von Zerspanungsteilen, also Dreh- und Frästeile. Solche Teile begegnen uns im Grunde genommen überall im Alltag – etwa an den Rädern von Zügen, an Fahrrädern oder im Motorenblock eines Autos. Wenn ein Unternehmen beispielsweise ein neues Mikroskop entwickelt, wird Elektronik oder Optik benötigt, aber eben auch Zerspanungsteile, um beispielsweise die Optiken einzuhausen oder um das Mikroskop in der Höhe zu verstellen. In der Konstruktionsabteilung erstellen Ingenieure eine technische Zeichnung und ein 3D-Modell. Anschließend muss der Einkäufer auf Grundlage dieser Vorgaben ein passendes Zerspanungsunternehmen finden, das dieses Teil auch herstellen kann. Als Einkäufer braucht man also das technische Know-How, um die Dokumente zu verstehen, aber auch eine gute Marktkenntnis, um zu wissen, welches Unternehmen für die Herstellung in Frage kommt. Wenn dieses Wissen fehlt, streut man die Anfrage und guckt einfach, was zurückkommt. Das ist ineffizient und hat mich gestört. Ich bin also auf die Idee gekommen, eine Vergleichsplattform für Zerspanungsteile zu machen.
Wie ging es weiter?
Ich bin Ende 2019 auf meinen heutigen Mitgründer Marc Pfeifer zugegangen, der als Softwareentwickler direkt begeistert von der Idee war. Anfang 2020 ging es los und wir haben die ersten Zeilen Code geschrieben. Parallel bin ich auf andere Einkäufer, aber auch Unternehmer für Zerspanungsteile zugegangen, um die Idee anzuteasern. Das Feedback war durchweg positiv, sodass die Idee immer konkreter wurde. Zu diesem Zeitpunkt haben wir das Projekt noch nebenberuflich betrieben, weshalb wir zunehmend an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen sind.
Was war die erste Anlaufstelle für Ihre Gründungsidee?
Wir haben im Netz zum Thema recherchiert und sind relativ schnell auf das Thüringer Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmertum (ThEx) gestoßen – in Kombination mit der IHK Ostthüringen haben wir eine Gründungsberatung in Anspruch genommen. Im Rahmen der Beratung haben wir alle Themen behandelt, die es braucht, um so eine Unternehmung zu durchdenken. Es ging um die Finanzplanung, aber auch um die Markt- und Wettbewerbsanalyse. Darüber wurden wir auch auf die Gründungsprämie aufmerksam.
Wie läuft der Antragsprozess für die Gründungsprämie ab?
Neben dem Antrag mussten wir ein Exposé einreichen. Der Antrag selbst ist halt ein typischer Antrag (lacht). Durch die Unterstützung von unserem ThEx-Gründungsbegleiter haben wir den Antrag relativ schnell abgearbeitet. Ich würde auch empfehlen, hierzu einen fachkundigen Berater hinzuziehen. Im Exposé haben wir unsere Idee kurz skizziert, aber auch unseren Business-Case dargelegt und erste Gedanken zur Zielgruppe, Marketing und Vertrieb niedergeschrieben. Das haben wir Beides eingereicht und anschließend eine Einladung zur Jury-Sitzung im ThEx Erfurt erhalten. Da haben wir unsere Idee präsentiert. Und wir hatten wirklich erst ein paar Schnipsel Code und ein Mock-up, wie die Vergleichsplattform aussehen könnte. So sind wir ins Rennen um die Gründungsprämie gegangen und wir haben uns sehr gefreut, als relativ zügig die positive Rückmeldung kam.
Trotz aller Vorfreude ist der Schritt in die Gründungsprämie zur Existenzsicherung in der Vorgründungsphase mutig. Wie sind Sie damit umgegangen?
Den offiziellen Bescheid von der Thüringer Aufbaubank in den Händen zu halten, war ein super Gefühl. Denn ab diesem Zeitpunkt mussten wir nicht mehr mit angezogener Handbremse fahren, sondern wussten, dass wir voll durchstarten können. Das hat mir auch große finanzielle Sicherheit gegeben, denn – darauf muss man sich einlassen – sein Angestelltenverhältnis muss man aufgeben. Beides konnte ich aber ohnehin nicht mehr stemmen. Zuvor habe ich abends noch E-Mails geschrieben,Telefontermine auf dem Weg zur Arbeit oder Videokonferenzen in der Mittagspause erledigt. Mit der Gründungsprämie hatte ich nun ein gesichertes Einkommen für 12 Monate und konnte mich voll auf die Gründung konzentrieren. Das hat mich wahnsinnig gefreut.