Der GUV Leine/Frieda/Rosoppe wurde erst 2019 gegründet, wie fing alles an?
Frederic Stürtzel: Wir starteten so richtig im Januar 2020 mit einem kleinen Team und leeren Büros. Die Pflege und Unterhaltung kleiner Gewässer zweiter Ordnung war bis dahin den Kommunen vorbehalten, die jedoch vielerorts keine Kapazitäten dafür hatten. Mit Gründung der neuen Gewässerunterhaltungsverbände in Thüringen ging die hoheitliche Unterhaltungspflicht auf unsere neue Struktur über. Mittlerweile erstreckt sich unser Aufgabenfeld nicht mehr nur auf die Gewässerunterhaltung und Fließgewässerentwicklung, sondern auch auf Themen wie Naturschutz, Landschaftspflege und Umwelt- und Ökodienstleistungen.
Sie sind heute erst 33 Jahre jung. Wie sind Sie zum GUV gekommen?
Frederic Stürtzel: Eigentlich wollte ich Marineoffizier werden, denn Wasser hat mich schon immer fasziniert. Dennoch studierte ich erstmal klassisch Bauingenieurwesen in Kassel und habe mich dort sehr schnell auf den Wasserbau und das Thema Grundwasserhydraulik festgelegt. Diese Entscheidung war aus heutiger Sicht goldrichtig, denn nach dem Studium konnte ich schnell in spezialisierten Ingenieurbüros Fuß fassen. Mittlerweile wieder in meinem Heimatort Sonnenstein wohnhaft, erreichte mich eines Tages die Nachricht der Gründung des Gewässerunterhaltungsverbands. Die Chance, einen Verband sprichwörtlich auf der grünen Wiese mit aufzubauen, bekommt man nur einmal im Leben, und ich habe mich daher sofort beworben. Ich unterstützte dann als Ingenieur und stellvertretender Geschäftsführer beim Verbandsaufbau und wurde im April 2023 gefragt, ob ich mir auch die Leitung des Verbands zutraue. Nach meiner Zusage folgten einige schlaflose Nächte in der Anfangszeit, aber ich hatte nun die Möglichkeit, dem Verband meinen eigenen Stempel aufzudrücken. Ich habe mittlerweile 4 Kinder, und der GUV ist das erste von ihnen. (lacht)
Wie kann man sich die tägliche Arbeit in einem GUV vorstellen?
Frederic Stürtzel: Wir sind ein eingespieltes elfköpfiges Team. Während sich die Kolleginnen und Kollegen im Büro um viele administrative Tätigkeiten und Verwaltungsaufgaben kümmern, sind unsere Flussarbeiter täglich bei Wind und Wetter im Außenbereich unterwegs.
Besonders stolz sind wir auf unseren Auszubildenden im Wasserbau, denn dieser Beruf galt als nahezu ausgestorben in Thüringen. Nachwuchs in diesem Bereich ist sehr wichtig und wird in den GUVs auch in Zukunft dringend benötigt.
Ein großer Fokus unserer administrativen Arbeit liegt in der Beantragung und Bearbeitung der Förderrichtlinien im Bereich Gewässer- und Hochwasserschutz.
Über die Thüringer Aufbaubank gewährt der Freistaat Zuschüsse zur Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Fließgewässerentwicklung, welche Rolle kommt dem GUV hierbei zu?
Frederic Stürtzel: Von der Ideenentwicklung über die Ausschreibung bis hin zur Planung mit externen Dienstleistern und beteiligten Kommunen: unser Team ist an allen Prozessschritten zur Umsetzung von konkreten Maßnahmen beteiligt. Bei der Beantragung und abschließenden Abrechnung stehen wir seit jeher im engen Kontakt mit der TAB.
Hinweis: Zur Förderung des Hochwasserschutzes und der Fließgewässerentwicklung sowie der Fließgewässerdurchgängigkeit stehen den Gewässerunterhaltungsverbänden die Verbandskoordinatoren Gewässerunterhaltung der Thüringer Aufbaubank zur Seite. Sie unterstützen fachlich und förderrechtlich bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen.