Neues Freizeitvergnügen im Auto

Neues Freizeitvergnügen im Auto

Folge 4 unserer fünfteiligen Serie: Wie Thüringer Unternehmen und Initiativen durch ungewöhnliche Ideen der Corona-Krise trotzten.

„In Krisen muss man sich auf das besinnen, was man kann.“

Wenn man noch im März dieses Jahres an Autokino dachte, kamen einem eher nostalgische Gedanken an die 50er Jahre. Männer in Bluejeans und Lederjacke und Frauen in Petticoats mit Pfennigabsätzen, die die Zweisamkeit in ihrem Cadillac genießen.

Dass sich dieses Bild innerhalb weniger Wochen ändern könnte und Autokinos wieder Teil unseres Lebens werden, hätte nicht einmal Henri Bibow, Geschäftsführer der Sündenfrei GmbH gedacht. Mit seinem Unternehmen, das normalerweise historische Märkte und Feste organisiert, macht er sonst einen Jahresumsatz von durchschnittlich 3 Millionen Euro. Dieses Jahr wird das leider anders aussehen.

„Die Umsätze sind von einem Tag auf den anderen auf Null zurückgegangen. Wo wir letztes Jahr im April noch einen Umsatz von 687.000 Euro stehen hatten, stehen jetzt Einnahmen von 267 Euro. Aber Jammern hilft ja nicht.“

Mit seinen fast 60 Jahren hat Henri Bibow schon einiges erlebt, es gab nicht nur einfache Zeiten. Deshalb hat er mittlerweile ein Rezept für Herausforderungen und Umbrüche und zwar das Reagieren und Improvisieren. Also suchte er auch dieses Mal für sich und seine elf festangestellten Mitarbeiter*innen Ideen, die trotz Mindestabstand und Kontaktverbot funktionieren könnten.

„In Krisen muss man sich auf das besinnen, was man kann. Es geht immer um Angebot und Nachfrage, man braucht die richtige Idee zur richtigen Zeit. Deshalb bin ich immer sehr gut informiert. Ich lese die Zeitungen sehr genau und versuche auch das herauszulesen, was zwischen den Zeilen steht.“

Die zündende Idee kam dann aber gar nicht von ihm selbst, sondern von seiner Frau, Silke Rose. Gemeinsam mit ihr überlegte Henri Bibow, wo ihre Stärken liegen und was ihnen in der Krise weiterhelfen könnte. So kamen sie auf die Idee mit dem Autokino. Ein schnell organsierter Test mit einem Auto-Ostergottesdienst auf dem Messegelände in Erfurt brachte nicht nur die Bestätigung, dass es funktionieren könnte, sondern auch noch ein positives europaweites Presseecho.

Schnell waren weitere Partner*innen gefunden, wie zum Beispiel der Gastronom Hans Marcher aus Hohenfelden, der wie das ganze Thüringer Gastgewerbe vor ähnlichen Problemen stand und nach Auswegen aus der Krise suchte. Hans Marcher stellte das Gelände in Hohenfelden am Stausee zur Verfügung und sorgte nicht nur für die perfekte, romantische Kulisse, sondern auch dafür, dass es dem Autokinobesuch an Klassikern und Kulinarischem nicht fehlt.

„Es ging wahnsinnig schnell und unbürokratisch. Klar, etwas Netzwerkarbeit war nötig, das Gesetz musste angepasst werden, und wir brauchten von der Bundesnetzagentur die Radiofrequenzen für die Tonspur der Filme, aber worauf man sonst wesentlich länger warten muss, das ging problemlos.“

Auch wenn für Unternehmer Bibow das Autokinoprojekt das Geschäftsjahr 2020 nicht rettet, so hat es doch eine therapeutische Wirkung. Seine Angestellten sind beschäftigt, und die neuen Aufgaben bringen frischen Wind ins Team.

„Eine Mitarbeiterin, die sich früher um die Verträge bei den Mittelaltermärkten gekümmert hat, kümmert sich jetzt um Filmlizenzen, und der eine oder die andere Künstler*in weist jetzt eben die Autos in ihre Parkstation. Ohne Improvisationstalent geht es eben nicht.“

Frei nach dem Motto: „Die besten Ideen kommen beim Denken“, tüftelt Henri Bibow schon am Winterprogramm. Auch bei dieser Idee wird das Auto eine Rolle spielen. Trotz einiger neuer Ideen, die schon im Kopf des Unternehmers reifen, baut seine und die Hoffnung der gesamten Branche darauf, dass die Weihnachtsmärkte dieses Jahr weitgehend unbeschadet von der Corona- Pandemie stattfinden können. Henri Bibow ist sich sicher, dass es ein „normal“, wie vor der Krise sehr lange nicht mehr geben wird, aber er schaut positiv in die Zukunft und hofft bald wieder ohne Einschränkungen für seine Kund*innen da zu sein.

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