„Ich wünsche mir, dass mehr Frauen den Mut haben, diesen Weg zu gehen. Es lohnt sich.“

Das #TABinterview mit Maria Elisabeth Bärwolff-Strunze

Für das #TABinterview haben wir uns diesmal mit Maria Elisabeth Bärwolff-Strunze verabredet. Im Rahmen eines Ferienjobs wurde sie im vergangenen Jahr auf uns aufmerksam. Heute absolviert die 20-Jährige ein duales Studium der Informationstechnik an der Berufsakademie Sachsen. Und sie blieb uns treu, denn für ihre Praxiseinsätze wählte sie die TAB: Seither unterstützt Maria Elisabeth für einige Monate im Jahr das Team der IT-Infrastruktur. Im Interview erzählt sie, was sie an der dualen Ausbildung schätzt, aber auch wie sie sich im Studium allein unter Männern durchboxt.

ZUR BA Sachsen

Seit wann bist du bei uns?

Nach dem Abitur habe ich einen Ferienjob gesucht. Über eine Plattform habe ich gesehen, dass eine Aushilfe für die Inventur in der TAB gesucht wurde. So bin ich auf die TAB aufmerksam geworden. Seit Oktober 2020 studiere ich nun in Dresden. Ich habe zunächst mit einem anderen Praxispartner angefangen, weil die TAB nicht so schnell Praxispartner bei der BA Sachsen werden konnte. Zum 1. März 2021 konnte ich aber hierher wechseln. Das hat mich gefreut.

Warum Duales Studium, was reizt dich an diesem Prinzip?

Es stand vor allem die Frage nach der Finanzierung eines Studiums im Raum. Außerdem hatte ich schon zum Ende der Schulzeit das Gefühl: Nur Theorie – das will ich nicht mehr. Dann habe ich gesucht und bin auf ein Duales Studium gekommen. Die Bewerbungen habe ich schon in der 11. Klasse abgeschickt. Da hatte ich noch gar nichts in der Hand und bin einfach losgelaufen.

Muss man sich schon so früh um einen Studienplatz kümmern?

Man sollte etwa ein Jahr vorher anfangen. Anfangs wollte ich in die Automobilindustrie und in einen Großkonzern. Dafür hatte ich auch eine Zusage. Aber dann habe ich mir das einen Tag lang anschauen dürfen und mir war klar: Das ist nichts für mich. Da wäre ich nur eine von vielen. Ich habe dann weiter gesucht und bin auf die BA Dresden gestoßen mit der Informationstechnik.

Woher kommt die Leidenschaft für Technik?

Ich hatte kein Informatik in der Schule. Ich habe auch nie vorher programmiert. Ich bin da blind rein. Mathematik habe ich aber schon immer sehr geliebt. Da gibt es nur wahr oder falsch. So ist es auch in der Informatik, da gibt es nur 0 oder 1. Was dazwischen ist, das gibt es nicht. Außerdem habe ich mich schon immer für Technik begeistert, Computer, Handys, alles Mögliche. So richtig los ging es aber erst, als ich in die TAB kam. Die IT-Kollegin hat mich geschnappt und gesagt: „Du musst wissen, wie man einen Computer auseinandernimmt!“. Und dann hat sie mir ein Werkzeug in die Hand gedrückt und gesagt: „So und du baust jetzt hier eine Festplatte aus!“. Das war der Moment , wo ich dachte: Das ist cool, ich möchte unbedingt wissen, wie das funktioniert. Und als ich dann das erste Mal im Serverraum unten war und in dem dunklen Raum die ganzen Lichter geleuchtet haben – das kann man nicht beschreiben.

Maria Elisabeth Bärwolff Strunze

Ich hatte kein Informatik in der Schule. Ich habe auch nie vorher programmiert. Ich bin da blind rein. Mathematik habe ich aber schon immer sehr geliebt. Da gibt es nur wahr oder falsch. So ist es auch in der Informatik, da gibt es nur 0 oder 1. Was dazwischen ist, das gibt es nicht. Außerdem habe ich mich schon immer für Technik begeistert, Computer, Handys, alles Mögliche. So richtig los ging es aber erst, als ich in die TAB kam.

– Maria Elisabeth Bärwolff-Strunze

Wie funktioniert so ein Duales Studium genau?

Da gibt es Unterschiede, aber grundsätzlich wechseln sich Theorieeinheiten und Praxiseinsätze ab Ich hatte im ersten Semester erst mal sechs Wochen Praxis und dann geht man 12 Wochen in die Theoriephase. Ab dann hat man drei Monate Praxis und drei Monate Theorie. Ab dem zweiten Semester schreibt man beim Praxispartner in jeder Vor-Ort-Phase eine wissenschaftliche Arbeit. Ich habe mich in der TAB mit Chatbots befasst. Jetzt schreibe ich meine Studienarbeit über Netzwerktechnik als Vorbereitung für die Bachelorarbeit.

Und wie funktioniert das mit der Finanzierung?

Die TAB finanziert als Praxispartnerin das Studium und mich. Ich bekomme mein festes Gehalt und das ist tatsächlich relativ hoch.

Gibt es eine Verpflichtung, danach bei dem Praxispartner zu bleiben?

Mir bleibt das freigestellt. Wenn ich einen Übernahmevertrag angeboten bekomme, kann ich den annehmen oder ablehnen.

Was gefällt dir am besten an der Arbeit in der TAB?

Es ist dieser familiäre Zusammenhalt. Ich finde sehr schön, dass ich zum Beispiel bei neuen Kollegen direkt sagen kann: „Hallo, du kannst mich übrigens duzen!“ Und ich kann immer zu den Leuten hingehen, wenn ich Hilfe brauche und die bekomme ich dann auch. Bei meinen Projektarbeiten bin ich auch sehr frei. Ich bekomme wenig Vorgaben, kann viel selbst austesten und das finde ich sehr gut. Und es wird sich auch darum gekümmert, dass ich immer eine Aufgabe habe und keinen Leerlauf.

Und gibt es auch was, wo du sagst, das gefällt dir nicht so gut?

Beim Studium gibt es schon einige Punkte: Ich finde es könnte praxisnaher sein. Im ersten Semester wurden wir auch direkt in die C-Programmierung geworfen. Das ist für jemanden, der noch nicht viel Ahnung hat, das schwierigste, was es überhaupt gibt. Das ging dann auch so weiter. Im dritten Semester habe ich dann langsam die Zusammenhänge verstanden. Jetzt ergibt es sich auch, warum ich mit der C-Programmierung starten musste. Aber manchmal frage ich mich schon nach dem Sinn bestimmter Inhalte für die praktische Arbeit.

Wie geht es nach dem Studium weiter?

Für mich reicht es mit Lernen. Ich möchte keinen Master machen, weil mir das in der Netzwerktechnik nichts bringen wird. Mein Ziel ist es, Zertifikate zu machen und mich dadurch weiterzubilden.

Würdest du es wieder so machen mit dem BA-Studium?

Ja. Auch mit all den Hürden, den Tränen, den Selbstzweifeln, ich würde es wieder so machen.

Was waren denn bisher die größten Hürden?

Ich fand es sehr schwierig, allein mit 38 Männern zu starten. Ich erinnere mich, dass ich am ersten Tag absolut nicht wusste, was ich da tun soll. Dabei kannte ich schon ein paar Leute, weil ich noch einen Aufbaukurs Physik gemacht hatte. Aber der erste richtige Tag im Studium hat mich doch sehr schockiert. Alle hatten schon lange in ihrer Freizeit programmiert, das hatte ich bisher gar nicht. Ich dachte: „Ich bin hier falsch!“. Ich hatte dann erst einmal sechs Wochen Zeit, um mich ein bisschen zu akklimatisieren während der ersten Praxisphase. Als ich dann zurück in Dresden war, habe ich mich freiwillig gemeldet, um Seminargruppensprecherin zu werden. Aber ich hatte es unglaublich schwer, mich durchzusetzen. Ich hatte immer das Gefühl, dass die anderen auf mich herabsehen. Eine Frau, die IT studiert – das wird doch sowieso nichts. Das Gefühl wurde mir oft vermittelt, leider auch von Dozenten.

Wie bist du damit umgegangen?

Ich war wirklich manchmal an dem Punkt, an dem ich alles hinschmeißen wollte. Aber ich habe mich immer wieder zusammengerissen. Denn ich will das machen, das ist mein Traum. Ich habe wirklich viel gearbeitet, 60 bis 70 Stunden pro Woche während der Theoriephase. Ich habe diesen Stoff in mich aufgesaugt. Und gleichzeitig habe ich versucht als Gruppensprecherin aus diesen ganzen einzelnen Menschen eine Seminargruppe zu formen. Das ging nur, indem ich auf die Leute aktiv zugegangen bin, Hilfe angeboten habe. Ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe, aber am Ende dieses ersten Semesters war ich ein geschätztes Mitglied dieser Gruppe und wurde da auch angenommen. Und wenn irgendwas ist, bin ich immer noch die erste Ansprechquelle und das schätze ich auch sehr.

Gibt es hier ein strukturelles Problem in der Lehre?

Aktuell besteht die lehrende Generation der Dozenten nur aus Männern. Klar freuen die sich auch, dass da mal eine Frau sitzt. Aber es gab eben auch Einzelne mit Vorurteilen. Vielleicht ändert sich das erst mit einer neuen Generation an Dozenten. Und sicher können auch Vorbilder helfen.

Du hast dich ja bereit erklärt, als Testimonial für die BA zu werben. Warum?

Dazu habe ich mich bereit erklärt, weil ich unbedingt sagen wollte: Ja, Frauen in der IT sind eine Seltenheit und es ist vielleicht nicht immer einfach. Aber mir macht es eben einfach Freude. Und die Gemeinschaft an der BA ist für mich einzigartig. Ich habe da Freunde gefunden, meinen Partner. Wir helfen uns untereinander. Hat einer ein Problem, findet sich immer jemand, der das Problem mit lösen kann. Fällt jemand durch, lernen alle gemeinsam mit. Ja, es ist schwer, aber es ist machbar. Und ich würde mir wirklich wünschen, dass mehr Frauen den Mut haben, diesen Weg zu gehen. Es lohnt sich.

Vielen Dank für das Gespräch!

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